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Wein, Genuss und Rhein – ein besonderer Tag im Zürcher Weinland

  • vor 21 Minuten
  • 5 Min. Lesezeit

Autorin: Faye Dominique Koehler

Ein Tag, an dem vieles zusammenkam, was Genuss ausmacht: spannende Weine, persönliche Begegnungen, Schweizer Kaffeekultur, Champagner, Kulinarik – und dazu eine der schönsten Kulissen des Zürcher Weinlands.

Unser Weg führte uns zunächst nach Eglisau zu Mathias Bechtel von Bechtel Weine und anschliessend aufs Wasser, wo wir den Rhein bei einem Flying Lunch von Martin Aeschlimann vom Wirtshus zum Wyberg und natürlich der passenden Weinbegleitung erleben durften.



Bechtel Weine – Herkunft, Handwerk und eine klare Handschrift


Im Mittelpunkt unseres Tages standen die Weine von Mathias Bechtel – und damit ein Winzer, dessen Weg zum Wein bereits früh begann.

Aufgewachsen neben einem Rebberg in der Bündner Herrschaft, wusste Mathias schon früh, dass er Winzer werden wollte. Seine Lehr- und Wanderjahre führten ihn vom Bündnerland über das Lavaux und den Aargau bis ins Berner Oberland und ins Dézaley. Seine fachliche Ausbildung vervollständigte er an der Haute école de viticulture et œnologie in Changins.

Seit 2008 produziert er in Eglisau eigene Weine. Heute bewirtschaftet Bechtel rund sechs Hektaren Rebfläche mit neun verschiedenen Rebsorten an den Südhängen von Eglisau und Wil im Rafzerfeld.

Bei unserer Degustation konnten wir uns intensiv mit seiner Handschrift und den unterschiedlichen Weinen auseinandersetzen – von geradlinigen, frischen Weinen bis hin zu komplexeren Gewächsen mit entsprechendem Ausbau und Reifepotenzial.


Unsere Sélection Sommeliers



Eine besondere Bedeutung haben für uns natürlich jene beiden Weine, die in Zusammenarbeit mit dem Sommelierverband Schweiz SVS entstanden sind:

der Riesling Sélection Sommeliers 2024 und der Pinot Noir Sélection Sommeliers 2023.

Der Riesling Sélection Sommeliers 2024 wird spontan in Doppelbarriques vergoren und bleibt anschliessend zehn Monate im selben Fass. Quitte und Bergamotte prägen die Aromatik, am Gaumen kommen reife Mango und Grapefruit hinzu. Frische und Struktur verbinden sich mit der zusätzlichen Tiefe des Ausbaus.


Beim Pinot Noir Sélection Sommeliers 2023 wurden aus insgesamt zwölf Barriques bei einer gemeinsamen Degustation vier Fässer ausgewählt, die schliesslich als Sommelier-Sélection abgefüllt wurden. Die Trauben stammen aus einigen der besten Steillagen von Eglisau. Der Ausbau in gebrauchten Barriques gibt dem Wein Zeit, seine Struktur und Gerbstoffe zu verfeinern und zusätzliche würzige und komplexe Komponenten zu entwickeln.

Gerade diese beiden Weine zeigen, worum es bei einer Sommelier-Sélection geht: nicht einfach um ein eigenes Etikett, sondern um eine bewusste Auswahl und die gemeinsame Auseinandersetzung mit Stil, Herkunft und Qualität.



Schweizer Kaffeetradition zum Start


Bevor die ersten Weine ins Glas kamen, begann unser Morgen mit Kaffee von Blasercafé und frischen Gipfeli von ALIGRO.

Blasercafé blickt auf über 100 Jahre Schweizer Kaffeegeschichte zurück. 1922 gründeten Walter Blaser Senior und seine Frau Cécile in Zürich ein kleines Kaffeehandelsgeschäft mit integrierter Kaffeebar. 1929 zog das Unternehmen nach Bern und befindet sich bis heute in Familienbesitz.

Ein kleines Stück Schweizer Genussgeschichte – und der perfekte Start, bevor wir uns ganz dem Wein widmeten.



Ein Abstecher in die Champagne


Nach der Degustation durfte auch ein Apéro nicht fehlen. Antonio von Laurent-Perrier schenkte uns persönlich den Champagner ein und brachte damit ein kleines Stück Champagne nach Eglisau.


Die Geschichte der Maison Laurent-Perrier reicht bis ins Jahr 1812 zurück. Besonders geprägt wurde das Haus durch Bernard de Nonancourt, der 1948 im Alter von nur 28 Jahren die Leitung übernahm. Bis heute steht Laurent-Perrier für einen Stil, bei dem Frische, Eleganz und Reinheit im Mittelpunkt stehen.

Ein eleganter Abschluss unseres Besuchs auf dem Weingut – bevor es für uns weiter Richtung Rhein ging.



Mit der SZR Schifffahrtsgesellschaft Züri-Rhy auf dem Rhein


Danach hiess es: Leinen los!

Mit der SZR Schifffahrtsgesellschaft Züri-Rhy ging es auf den Rhein. Zwischen Rebbergen, grünen Ufern und der Landschaft des Zürcher Unterlands bot die Fahrt eine wunderbare Gelegenheit, die Region aus einer völlig anderen Perspektive zu erleben.

Und während draussen die Landschaft vorbeizog, begann an Bord der nächste wichtige Teil unseres Tages: das Flying Lunch von Martin Aeschlimann.


Ein Flying Lunch mit der Handschrift des Wirtshus zum Wyberg



Für das kulinarische Erlebnis an Bord zeichnete Martin Aeschlimann vom Wirtshus zum Wyberg in Freienstein-Teufen verantwortlich – und er liess es sich nicht nehmen, selbst mit an Bord zu sein.

Das Flying Lunch war dabei weit mehr als eine Verpflegung während der Schifffahrt. Die verschiedenen kleinen Gänge waren präzise und modern angerichtet und spielten mit unterschiedlichen Texturen, Temperaturen und Aromen.

Schon optisch zeigte sich Martins Handschrift: klare Kompositionen statt überladener Teller, sorgfältig gesetzte Komponenten und Produkte, die im Mittelpunkt bleiben durften.

Besonders schön war dabei die Verbindung zwischen Küche und Wein. Unsere beiden Sélection-Sommeliers-Weine von Bechtel begleiteten das Flying Lunch und konnten dadurch nochmals von einer ganz anderen Seite erlebt werden.

Der Riesling Sélection Sommeliers 2024 brachte mit seiner Frische, der Zitrus- und Grapefruit-Aromatik sowie seiner Struktur genau jene Eigenschaften mit, die bei den feineren und leichteren Komponenten des Menüs besonders spannend wirkten. Der Ausbau im Doppelbarrique verlieh ihm gleichzeitig genügend Substanz, um auch aromatisch intensivere Elemente nicht nur zu begleiten, sondern ihnen etwas entgegenzusetzen.


Mit den kräftigeren und herzhafteren Komponenten des Lunches kam wiederum der Pinot Noir Sélection Sommeliers 2023 ins Spiel. Seine Frucht, die feinen Gerbstoffe und die durch den Barriqueausbau entstandene Würze schufen eine ganz andere Verbindung zur Küche.

Gerade dieser Wechsel machte das Flying Lunch so interessant: Nicht ein einzelnes Gericht und ein einzelner Wein standen isoliert nebeneinander. Vielmehr entwickelte sich über die verschiedenen kleinen Gänge hinweg ein Zusammenspiel aus Frische, Säure, Frucht, Würze, Textur und Struktur.


So konnten wir die beiden Weine, die wir am Morgen noch im Kontext ihrer Entstehung degustiert hatten, wenige Stunden später in ihrer eigentlichen gastronomischen Rolle erleben.


Martin Aeschlimann und das Wirtshus zum Wyberg



Diese Verbindung von Produkt und Handwerk passt hervorragend zu Martin Aeschlimann und seinem Wirtshus zum Wyberg.


Das traditionsreiche Haus in Freienstein-Teufen führt er gemeinsam mit seiner Familie in zweiter Generation weiter. Seine Küche ist saisonal geprägt und eng mit der Region verbunden, ohne dabei stehenzubleiben. Klassisches Handwerk bildet die Basis, bekommt aber eine zeitgemässe und persönliche Handschrift.

Besonders deutlich wird diese Philosophie beim Umgang mit den Produkten. Im Wyberg wird nicht nur fertig angelieferte Ware verarbeitet. Ein Beispiel ist das Wild aus der Region, das als ganzes Tier ins Haus kommt und dort fachmännisch zerlegt und weiterverarbeitet wird.


Seit März 2026 gehört das Wirtshus zum Wyberg zudem zum Netzwerk Fait Maison – hausgemacht. Das Label zeichnet Betriebe aus, die einen wesentlichen Teil ihrer Speisen selbst im Haus herstellen und transparent mit der Herkunft und Verarbeitung ihrer Produkte umgehen.


Auch der Guide Michelin führt das Wirtshus zum Wyberg mit einem Bib Gourmand und würdigt damit eine Küche, die Qualität und ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis miteinander verbindet.

Auf dem Rhein wurde genau diese Philosophie im Kleinen erlebbar: sorgfältig zubereitete Gerichte, eine klare Handschrift und eine Küche, die nicht versucht, den Wein zu übertönen, sondern ihm Raum gibt.


Vom Rebberg über die Küche bis ins Glas


Gerade das Zusammenspiel von Mathias Bechtel und Martin Aeschlimann machte diesen Teil des Tages besonders.

Auf der einen Seite ein Winzer, der die Möglichkeiten seiner Eglisauer Lagen in die Flasche übersetzt. Auf der anderen Seite ein Koch, der mit seinem Handwerk daraus am Tisch ein vollständiges Genusserlebnis entstehen lässt.

Dazwischen unsere Aufgabe als Sommeliers: Weine nicht nur zu beurteilen, sondern sie in ihrem gastronomischen Kontext zu verstehen.

Und vielleicht war genau das der schönste Moment des Tages: Mit einem Glas Riesling oder Pinot Noir in der Hand, einem Gericht von Martin vor uns und dem Rhein und den Rebbergen vor den Fenstern des Schiffes wurde aus Herkunft plötzlich etwas unmittelbar Erlebbares.



Wenn Wein, Kulinarik und Herkunft zusammenkommen


Am Ende war es weit mehr als eine Degustation, eine Schifffahrt oder ein gemeinsames Mittagessen.

Der Tag zeigte, wie spannend Genuss wird, wenn man nicht nur das fertige Produkt im Glas oder auf dem Teller betrachtet, sondern auch seine Herkunft, sein Handwerk und vor allem die Menschen dahinter kennenlernt.

Von Mathias Bechtel und seinen Eglisauer Weinen über unsere Riesling und Pinot Noir Sélection Sommeliers, die Schweizer Kaffeetradition von Blasercafé und den Champagner von Laurent-Perrier bis hin zu Martin Aeschlimanns Küche und unserer Fahrt mit der SZR Schifffahrtsgesellschaft Züri-Rhy – jeder Teil brachte seine eigene Geschichte und Handschrift mit.

Und genau daraus entstand das schönste Zusammenspiel des Tages:

Wein, Kulinarik, Menschen und Region.

 
 
 

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