Masterclass Schweizer Wein: Zürich Terroir im Fokus
- 6. Juni
- 7 Min. Lesezeit
Autorin Faye D. Koehler
Im Rahmen der Generalversammlung des SVS Sommelier Verbands Deutschschweiz fand im Hotel Mövenpick in Kloten eine spannende Masterclass zum Thema «Zürich Terroir» statt. Zahlreiche Mitglieder folgten der Einladung und durften einen genussvollen, fachlich fundierten und inspirierenden Einblick in eine der bedeutendsten Weinregionen der Deutschschweiz erleben.
Durch die Masterclass führte Aurélien Blanc, der mit grosser Kompetenz, Leidenschaft und einem tiefen Verständnis für Schweizer Wein durch den Vormittag begleitete. Bereits zu Beginn gab er eine Einführung in die Zürcher Weinregion und zeigte auf, weshalb gerade der Kanton Zürich eine so spannende und vielseitige Rolle innerhalb der Schweizer Weinlandschaft einnimmt.

Zürich – eine Weinregion mit vielen Gesichtern
Der Kanton Zürich gehört zu den wichtigsten Weinbaugebieten der Deutschschweiz. Seine Weinlandschaft ist jedoch keineswegs einheitlich, sondern setzt sich aus mehreren Teilregionen zusammen. Dazu gehören unter anderem der Zürichsee, das Limmattal, das Zürcher Unterland, das Zürcher Weinland sowie die Gebiete rund um Winterthur. Gerade diese Vielfalt macht Zürich als Weinregion so spannend.
Die geografische Lage des Kantons schafft sehr unterschiedliche Voraussetzungen für den Weinbau.
Am Zürichsee profitieren die Rebberge vom ausgleichenden Einfluss des Wassers. Der See speichert Wärme, mildert Temperaturschwankungen und reflektiert Licht und Wärme in die Rebberge. Besonders an den Hängen der Goldküste sorgen Exposition, Luftzirkulation und die Nähe zum See für ideale Bedingungen für elegante Weissweine und fein strukturierte Pinot Noirs.
Im Zürcher Unterland, insbesondere rund um Eglisau, prägt der Rhein die Landschaft. Die Rebberge liegen teilweise an steilen, sonnenverwöhnten Hängen oberhalb des Flusses. Diese Lagen profitieren von intensiver Sonneneinstrahlung, guter Durchlüftung und dem Zusammenspiel von Fluss, Hang und kühleren Nächten. Gerade für Pinot Noir, aber auch für strukturierte Weissweine, entstehen hier sehr charaktervolle Bedingungen.
Das Limmattal rund um Weiningen zeigt wiederum eine andere Facette des Zürcher Weinbaus. Hier spielen lokale Hanglagen, Moränenböden, die Nähe zur Limmat sowie die Einbettung zwischen Höhenzügen und Talraum eine wichtige Rolle. Die Weine können dadurch kraftvoller, würziger und strukturierter wirken, ohne ihre Frische zu verlieren.
Die Böden im Kanton Zürich sind vielfältig: von Moräne über Molasse bis hin zu Schiefer und Kalk. Diese geologische Vielfalt ist ein wichtiger Grund dafür, weshalb im Kanton Zürich so unterschiedliche Rebsorten erfolgreich angebaut werden können – von Räuschling und Sauvignon Blanc bis hin zu Pinot Noir, Chardonnay und weiteren Spezialitäten.

Drei Betriebe, drei Handschriften
Im Zentrum der Masterclass standen drei Zürcher Weingüter, die eindrucksvoll zeigten, wie unterschiedlich Zürich interpretiert werden kann. Jeder Betrieb brachte nicht nur seine Weine mit, sondern auch seine eigene Geschichte, Philosophie und persönliche Handschrift.
Weingut Bachmann, Stäfa
Das Weingut Bachmann liegt oberhalb des Zürichsees in Stäfa und profitiert von steilen, teilweise terrassierten Rebbergen, dem ausgleichenden Seeklima und dem besonderen Zusammenspiel von Böden, Hanglagen und Exposition. Die Nähe zum See prägt die Weine mit Frische, Eleganz und einer klaren, feingliedrigen Struktur.
Geführt wird der Betrieb heute von Theres und Jonathan Bachmann. Theres Bachmann ist ausgebildete Winzerin und Sommelière und prägt den Betrieb besonders im Verkauf, in der Organisation und im direkten Austausch mit Kundinnen und Kunden. Jonathan Bachmann ist ausgebildeter Weintechnologe und als Kellermeister der «Profi im Keller». Seine Erfahrung sammelte er unter anderem bei Davaz in Graubünden, Hofstätter in Südtirol und Creation in Südafrika.(Weingut am Zürichsee Bachmann – Link)
Gemeinsam stehen Theres und Jonathan Bachmann für präzise, elegante und zugängliche Weine vom Zürichsee, die Herkunft, Handwerk und Trinkfreude miteinander verbinden. In der Masterclass zeigten die Bachmann-Weine eine feine, balancierte Stilistik mit klarer Herkunftsprägung vom Zürichsee und einer schönen Balance zwischen Frische, Struktur und Eleganz.
Weingut Bechtel, Eglisau
Das Weingut Bechtel befindet sich in Eglisau, einer der eindrucksvollsten Weinlagen des Zürcher Unterlands. Die Rebberge am Eglisauer Stadtberg sind geprägt von steilen, sonnigen Lagen und der Nähe zum Rhein. Diese besondere Topografie verleiht den Weinen Kraft, Ausdruck und eine unverkennbare regionale Identität.
Hinter dem Weingut steht Mathias Bechtel, ein Winzer mit klarer Vorstellung von Herkunft und Stil. Seine Arbeit ist geprägt von viel Handarbeit im Rebberg, sorgfältiger Ertragsregulierung und schonendem Umgang mit den Trauben. Sein Ziel ist es, die Herkunft Eglisau im Glas sichtbar zu machen – Weine zu erzeugen, die nicht nur technisch präzise sind, sondern auch klar ihre Lage und ihren Ursprung widerspiegeln.
Die Weine von Bechtel zeigten in der Masterclass eine kraftvolle, eigenständige und charaktervolle Handschrift. Besonders im Sauvignon Fumé und im Pinot Noir wurde deutlich, wie stark Mathias Bechtel mit Struktur, Ausbau und Terroirausdruck arbeitet.
Weingut Haug, Weiningen
Das Weingut Haug liegt in Weiningen im Limmattal und ist ein Familienweingut mit langer Tradition. Der Betrieb beschreibt seine Arbeit mit naturnahem Rebbau, schonendem Umgang mit Ressourcen und ausschliesslich eigenen Trauben – vom Rebberg bis in die Flasche.
Mit Robin Haug steht die nächste Generation im Zentrum des Betriebs. Er ist Winzer und Önologe und führt das Familienunternehmen in zweiter Generation. Im Rebberg und im Keller verbindet er traditionelles Handwerk mit modernem Weinwissen, Präzision und einem feinen Gespür für das Potenzial jedes Jahrgangs.
In der Masterclass präsentierten sich die Haug-Weine kraftvoll, würzig und sehr eigenständig. Sie zeigten eine Stilistik mit Ausdruck, Tiefe und klarer Persönlichkeit.
Die Weine im Überblick
Die Verkostung war in drei Flights gegliedert: Räuschling, Sauvignon Blanc und Pinot Noir. Dadurch wurde sehr schön sichtbar, wie unterschiedlich dieselben Rebsorten je nach Herkunft, Ausbau und Winzerhandschrift interpretiert werden können.
Die folgenden Weinbeschriebe basieren auf den Eindrücken aus der Masterclass sowie auf den Erläuterungen vor Ort.

Räuschling – Zürcher Identität im Glas
Der erste Flight war dem Räuschling gewidmet – einer Rebsorte, die eng mit der Zürcher Weintradition verbunden ist. Die Weine zeigten eine grosse stilistische Bandbreite: von frisch, floral und geradlinig bis hin zu strukturierter, mineralischer und durch Ausbau geprägter Stilistik.
Der Berg Räuschling 2025 vom Weingut Bachmann, AOC Zürich, präsentierte sich in einem hellen, klaren Blassgelb. In der Nase zeigte er sich sehr floral und duftig, mit Noten von junger Birne, feiner Litschi und einem Hauch Thymian. Am Gaumen wirkte er rund, samtig und zugleich lebendig. Die knackige Frische war sehr schön eingebunden und verlieh dem Wein Spannung, Balance und Trinkfluss. Ein harmonischer, zugänglicher und sehr animierender Räuschling, der sofort Freude bereitete.
Die Räuschling Reserve 2024 vom Weingut Bachmann, AOC Zürich zeigte eine deutlich strukturiertere und tiefere Stilistik. Durch Bâtonnage und rund acht Monate Holzausbau erhielt der Wein mehr Textur, Dichte und Komplexität. Aromatisch zeigten sich erneut Birne und Bergamotte, ergänzt durch kalkige, steinige Noten sowie feine Anklänge von Heu und Kräutern. Am Gaumen wirkte der Wein mineralischer, dichter und präziser als der Berg Räuschling. Ein gastronomischer Räuschling mit mehr Tiefe, Struktur und klarer Ausbauprägung.
Der Räuschling 2024 vom Weingut Bechtel, AOC Zürich, zeigte sich in der Nase zunächst etwas zurückhaltender. Mit etwas Luft öffnete er sich jedoch schön und brachte frische Bergkräuter, zarte Geraniennoten, Zitrusfrucht und einen feinen Hauch Thymian zum Ausdruck. Am Gaumen präsentierte er sich mittelgewichtig, frisch und geradlinig. Die spritzige Säure verlieh ihm Lebendigkeit und Klarheit. Ein präziser, kräuterwürziger Räuschling mit schöner Frische und guter Balance.
Der Räuschling 2023 vom Weingut Haug, AOC Zürich, zeigte eine sehr trockene, straffe und frische Stilistik. In der Nase standen frische Kräuter, Heu, Gras und leichte Birnennoten im Vordergrund. Am Gaumen dominierten Limette, Zitrone und grüner Apfel. Der Wein wirkte bone dry, klar strukturiert und sehr animierend. Ein geradliniger Räuschling mit viel Zug, präziser Säure und einer sehr frischen, puristischen Ausprägung.

Sauvignon Blanc – Frische, Exotik und Ausbaukunst
Der zweite Flight zeigte die Vielseitigkeit von Sauvignon Blanc im Kanton Zürich. Die Weine bewegten sich zwischen exotischer Frucht, kräuterwürziger Frische, rauchigen Holznoten und strukturierter Ausbauprägung.
Der Sauvignon Reserve 2024 vom Weingut Bachmann, AOC Zürich, zeigte eine ausdrucksstarke, exotische Aromatik mit Passionsfrucht, Ananas, Akazienblüten und Holunder. Am Gaumen überzeugte er mit schöner Struktur, klarer Frische und guter Länge. Der Holzausbau verlieh dem Wein zusätzliche Tiefe und Textur, blieb jedoch harmonisch eingebunden und überdeckte die Frucht nicht. Ein aromatischer, eleganter Sauvignon Blanc mit Balance, Frische und langem Abgang.
Der Sauvignon Fumé 2023 vom Weingut Bechtel, AOC Zürich, zeigte eine deutlich kraftvollere und rauchigere Stilistik. Die Bezeichnung «Fumé» spiegelte sich in den vom Holz geprägten, leicht getoasteten Noten wider. In der Nase erinnerten reife Ananas, Mango, gebratene Marshmallows und rauchige Nuancen an eine sehr eigenständige Interpretation der Sorte. Am Gaumen zeigte sich der Wein kräftig im Auftakt, mit rauchigen Steinnoten, spritziger Säure und markanter Struktur. Ein ausdrucksstarker Sauvignon Blanc mit Charakter, Tiefe und eigenständigem Profil.
Der Sauvignon Blanc 2024 vom Weingut Haug, AOC Zürich, wurde gemäss den Erläuterungen vor Ort aus verschiedenen Erntezeitpunkten vinifiziert. Maischestandzeit, Bâtonnage sowie der Ausbau je zur Hälfte im Barrique und im Stahltank verliehen dem Wein zusätzliche Komplexität. Das Barrique aus zweiter Füllung unterstützte die Struktur, ohne dominant zu wirken. In der Nase zeigten sich junge Passionsfrucht, Heu, Gras, Kräuter und Heublumen. Am Gaumen war der Wein sehr frisch, mit deutlich spürbarer, spritziger Säure und einer leicht metallischen Note. Ein lebendiger, kräuterwürziger Sauvignon Blanc mit Spannung, Frische und eigenständiger Handschrift.

Pinot Noir – von Eleganz bis Kraft
Der abschliessende Flight war dem Pinot Noir gewidmet. Die drei Weine zeigten eindrucksvoll, wie unterschiedlich diese Sorte im Zürcher Terroir interpretiert werden kann – von fein, rotfruchtig und elegant bis hin zu kraftvoll, würzig und barriquegeprägt.
Der Pinot Noir Reserve 2023 vom Weingut Bachmann, AOC Zürich, präsentierte sich in einem hellen Kirschrot. In der Nase zeigten sich Kirsche, Preiselbeeren, Walderdbeeren und schwarzer Pfeffer. Zu Beginn wirkte die Aromatik noch etwas zurückhaltend, entwickelte sich mit Luft jedoch sehr schön. Am Gaumen zeigte der Wein feine Tannine, eine leicht adstringierende Struktur und gut eingebundene Säure. Ein noch junger, eleganter Pinot Noir mit Frische, Präzision und klarer Herkunftsprägung von der Zürcher Goldküste.
Der Pinot Noir Bechtus 2022 vom Weingut Bechtel, AOC Zürich, zeigte eine deutlich intensivere und kraftvollere Stilistik. Der Name «Bechtus» verbindet Bechtel und Bacchus. Im Glas präsentierte sich der Wein in einer schönen Kirschfarbe mit leicht ziegelroten Reflexen. Die Nase war intensiv und komplex, geprägt von reifer Frucht, Tiefe und würzigen Noten. Durch Saignée-Abzug, intensivere Extraktion, reifes Traubengut, zwei Wochen Kaltstandzeit, eigene Hefen und rund eineinhalb Jahre Ausbau in neuen Fässern erhielt der Wein viel Struktur und Ausdruck. Am Gaumen zeigte er sich dicht, lang, gehaltvoll und charakterstark. Ein kraftvoller, eigenständiger Pinot Noir mit Tiefe, Struktur und markanter Persönlichkeit.
Der Pinot Noir Bittenloo 2022 vom Weingut Haug, AOC Zürich, präsentierte sich als dunklere, würzigere und kraftvollere Interpretation des Pinot Noirs. Die Reben sind rund zehn Jahre alt und stammen von einem deutschen Pinot-Klon. In der Nase dominierten dunkle Amarena-Kirsche, intensive Vanillenoten, Tabak, dunkle Schokolade, Zimt und Gewürznelken. Der rund zweijährige Ausbau im Barrique prägte den Wein deutlich und verlieh ihm Tiefe, Würze und Dichte. Am Gaumen zeigte er sich komplex, intensiv und kräftig im Auftakt. Ein ausdrucksstarker Pinot Noir mit dunkler Frucht, markanter Würze und kraftvoller Struktur.

Ein inspirierender Blick auf Zürcher Wein
Die Masterclass zeigte eindrucksvoll, wie vielseitig und qualitativ hochstehend die Weinregion Zürich heute ist. Besonders wertvoll war der direkte Vergleich der drei Betriebe und ihrer unterschiedlichen Interpretationen derselben Rebsorten. Räuschling, Sauvignon Blanc und Pinot Noir präsentierten sich nicht nur sortentypisch, sondern auch klar geprägt von Herkunft, Ausbau und der persönlichen Handschrift der Winzerinnen und Winzer.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass Zürich nicht nur historisch eine bedeutende Weinregion ist, sondern auch heute eine dynamische, moderne und ambitionierte Weinszene besitzt. Die Kombination aus See, Flüssen, Hanglagen, Moränenböden, Molasse, Kalk und sehr unterschiedlichen Mikroklimata schafft eine bemerkenswerte Grundlage für charaktervolle Weine.
Ein herzliches Dankeschön gilt Aurélien Blanc für die sensationelle Führung durch die Masterclass sowie Theres Bachmann, Mathias Bechtel und Robin Haug für ihre Zeit, ihre Offenheit und die spannenden Einblicke in ihre Arbeit.
Ein inspirierender Anlass, der einmal mehr gezeigt hat, welches Potenzial, welche Qualität und welche Vielfalt in der Zürcher Weinregion steckt.





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